Stadt äußert Bedenken an der Umsetzung
Allgemeine Zeitung Coesfeld vom 30.09.2026
Von Jule Müller
COESFELD. Die Freiwillige Feuerwehr Coesfeld soll in den kommenden Jahren grundlegend neu organisiert werden. Das von der Feuerwehr erarbeitete Rahmenkonzept sieht künftig vier eigenständige Löschzüge an vier Standorten vor. Damit soll die Feuerwehr besser auf die wachsenden Anforderungen im Stadtgebiet vorbereitet und ihre Einsatzfähigkeit langfristig gesichert werden.
Hintergrund sind nach Darstellung der Feuerwehr Probleme mit der bisherigen Struktur. Die beiden Löschzüge 1 und 2 sind derzeit auf die Standorte Rottkamp, Mitte und West verteilt. Dadurch arbeiten Feuerwehrleute im Einsatz teilweise mit Kameradinnen und Kameraden sowie Fahrzeugen zusammen, mit denen sie im normalen Dienst- und Ausbildungsbetrieb nicht regelmäßig trainieren. Auch Zuständigkeiten und Führungsstrukturen seien dadurch teilweise unklar.
Die Feuerwehr schlägt deshalb eine klare Neuordnung vor: Löschzug 1 „Süd“ soll am Rottkamp stationiert werden, Löschzug 2 „Ost“ am Standort Mitte, Löschzug 3 „Lette“ in Lette und ein neuer Löschzug 4 „West“ am Standort West. Rottkamp soll weiterhin die Hauptwache der Feuerwehr bleiben. Jeder der vier Löschzüge soll über mindestens 22 fest zugewiesene Funktionen verfügen. Um Ausfälle abzufangen und die dauerhafte Einsatzbereitschaft sicherzustellen, soll die tatsächliche Personalstärke mindestens doppelt, langfristig möglichst dreimal so hoch sein.
Die organisatorische Neuordnung geht mit erheblichen baulichen Veränderungen einher. Der Standort West soll zu einem dauerhaften Feuerwehrstandort ausgebaut werden. Vorgesehen sind unter anderem mindestens fünf Stellplätze, Schulungsräume, Umkleiden, Sanitärbereiche, Lagerflächen und Werkstätten. Dafür wird ein Grundstück von rund 4500 Quadratmetern benötigt. Auch der Standort Mitte soll mittelfristig so ertüchtigt werden, dass dort ein kompletter Löschzug untergebracht werden kann. In Lette soll der bereits geplante Neubau weiter vorangetrieben werden. Rottkamp wiederum soll modernisiert und für die künftige Nutzung als Standort des Löschzugs Süd ausgebaut werden.
Bürgermeisterin Eliza Diekmann-Cloppenburg begrüße die Entscheidung, auf vier Löschzüge zu gehen. In der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses stellt sie jedoch die Frage, wie das Konzept konkret umzusetzen sei. „Deshalb habe ich Schwierigkeiten, das vollkommene Okay zu geben.“ Diese Schwierigkeiten sieht auch Beigeordneter Christoph Thies: „Wenn Geld und Grundstücke keine Rolle spielen würden, wären wir direkt dabei.“ Er verstehe das Ansinnen der Feuerwehr und könne nachvollziehen, dass es an einigen Stellen Optimierungsbedarf gebe. Gerade bei der Hauptwache und dem Standort West. Doch beim Standort Ost (Mitte) in der Münsterstraße „könnten Probleme entstehen“.
Die Stimmen aus der Politik sind ebenfalls gemischt, was die Umstrukturierung der Feuerwehr angeht. Während das Konzept Heinz Volmer (Pro Coesfeld) als sehr schlüssig erscheint, wäre es doch „sehr ambitioniert“. „Das würde sich in die weiteren Herausforderungen der Stadt einreihen“, sagt er. Erich Prinz (Grüne) spricht hingegen von einer „großen Begeisterung“ innerhalb seiner Fraktion. Er verstehe auch die Vorlage der Verwaltung, sehe das Konzept jedoch durchaus positiv. „Wir würden die acht Millionen Euro mittragen und wollen schnellstmöglich beginnen.“
Das von der Feuerwehr erarbeitete Rahmenkonzept ist im HFA zur Kenntnis genommen worden. Nun sollen Verwaltung und Feuerwehr die Vorschläge zur möglichen Neuorganisation der Löschzüge und der Feuerwehrstandorte weiter prüfen. Dabei sollen auch alternative Modelle sowie eine schrittweise Umsetzung untersucht und die fachlichen, baulichen und finanziellen Folgen bewertet werden. Konkrete Maßnahmen sind damit noch nicht beschlossen – über einzelne Vorhaben soll erst nach weiterer Prüfung und gegebenenfalls in separaten politischen Entscheidungen beraten werden.

Foto: Jule Müller