Feuerwehr Coesfeld

Neun Menschen entgehen dem Feuertod

Coesfeld. Ein Schrilles Piepen reißt am Sonntag um 4 Uhr die Bewohner und eine Betreuerin einer Außenwohngruppe des Nottulner Martini-Stifts an der Adolf-Meyer-Straße aus dem Schlaf. Die Rauchmelder waren erst vor ein paar Tagen installiert worden – und erwiesen sich bereits als Lebensretter. Noch vor Eintreffen der Feuerwehr können sich alle 13- bis 18-jährigen Jugendlichen und die betreuende Sozialarbeiterin vor dem beißenden Rauch ins Freie retten. Einer fehlt. Er ist aber auch schon nicht mehr im Haus. Die Polizei nimmt den 16-jährigen später unter dem Verdacht der Brandstiftung vorübergehend fest. Offenbar hatte sich das Feuer von der Matratze in seinem Zimmer aus ausgebreitet. Da der junge Mann unter erheblichem Alkoholeinfluss steht, wird die Entnahme einer Blutprobe angeordnet. „Die Ermittlungen dauern an“, sagt ein Polizeisprecher.
„Wir wussten zunächst nicht, ob sich noch Personen im Haus befinden. Die Menschenrettung hatte oberste Priorität“ berichtet stellvertretender Wehrführer und Einsatzleiter Winfried Schmeing über die Situation beim Eintreffen der Feuerwehr. Schnell sei dann aber klar gewesen, dass alle Bewohner draußen sind. Während die ersten Wehrmänner mit C-Schläuchen und schwerem Atemschutz durch eingeschlagene Kellerfenster das Gebäude betreten, wird die Alarmstufe auf 4 erhöht, die zweithöchste bei Feuern. „Es ist unglaublich heiß da drinnen“, sagt ein Feuerwehrmann, der gerade aus dem Gebäude kommt und seine Atemschutzmaske abnimmt. Sein Helm ist schwarz vor Ruß. „Man kann rein gar nichts sehen und sich nur sehr langsam fortbewegen“, ergänzt er.
Mittlerweile sind 50 Wehrmänner und 12 Einsatzfahrzeuge an der Einsatzstelle. Das Feuer wird mit Vier Atemschutztrupps mit C-Rohren von innen und außen bekämpft. „Der Brandherd ist eine Wohnung im Untergeschoss“, weiß Schmeing. „Wir haben von dort laute Pfeifgeräusche gehört und befürchtet, eine Gasleitung sei betroffen. Das hat sich aber zum Glück als Irrtum herausgestellt. Es sind nur einige Spraydosen ausgegast und explodiert“.
Um kurz vor fünf Uhr ist der enorm heiße Brand in der Kellerwohnung unter Kontrolle. Das Übergreifen der Flammen auf andere Wohnungen kann verhindert werden. Allerdings hat der Rauch schon seinen Weg durch alle Ritzen gesucht und gefunden. Ein Hochleistungslüfter sorgt dafür, dass er aus dem Haus geblasen wird.
„Da dieses Haus eine Außenstelle des Martini-Stiftes ist, gibt es viele Einzelwohnungen mit verschlossenen Türen. Wären hier noch Menschen vermisst gewesen, hätte das bei der schnellen Ausbreitung der gefährlichen Brandgase sehr eng werden können“, resümiert Schmeing. Noch bis halb sechs Uhr morgens löschen die Feuerwehrleute die letzten Glutnester.
Zwischenzeitlich sind die Brandexperten der Kriminalpolizei in der Außenstelle der Einrichtung für schwer Erziehbare auf den Plan getreten. Sie beschlagnahmen die Brandstelle. Weil alles verräuchert ist, können die Bewohner nicht zurück. Sie kommen zum Teil bei einer Nachbarin in der Adolf-Meyer-Straße und im Martini-Stift in Nottuln unter. Zur Höhe des entstandenen Schadens können die Beamten bis Redaktionsschluss noch nichts sagen. Auch ob und wie das Feuer gelegt wurde, ist noch unklar.

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