Feuerwehr Coesfeld

Feuerrote Wiedersehensfreude

 LETTE. Den schüchternen Augenaufschlag hat er drauf. Quasi serienmäßig. Der feuerrote DKW-Schnelllaster. Jetzt hat der Oldtimer noch einmal die Herzen ehemaliger Wehrführer aus dem Kreis Coesfeld und von Lilly Ernsting, Senior-Chefin von Ernsting’s family, höher schlagen lassen. Ihnen wurde das „Schätzchen“, Baujahr 1957, bei einem Treffen im Garten von Ernsting in Lette präsentiert. Der Ort war bewusst gewählt – nicht nur wegen des Kuchens, den sie im Höltingshof genossen und der Glaskunst, die sie im Museum bewunderten. „Es gibt einen Bezug zu Ernsting“, berichtete der ehemalige Coesfelder Feuerwehrchef Edmund Böhm. „Ohne diesen Wagen“, lächelte er geheimniskrämerisch, „wäre die Geschichte des Unternehmens vielleicht anders verlaufen.“

Der DKW-Schnelllaster ist eine Rarität. Von dem Typ gibt es weltweit nur noch ein paar, einer steht im Museum in Bremen. Und einer zog jetzt in Lette die Blicke auf sich. Ja, und es handelte sich tatsächlich um das Fahrzeug, das bis 1976 in Diensten der Freiwilligen Feuerwehr Coesfeld (zuvor Coesfeld-Kirchspiel) stand. Der heutige Besitzer Ralf Isselhorst konnte das anhand der alten „Pappe“ nachweisen.

Der Wagen erlebte nach seiner Ausmusterung bei der Coesfelder Feuerwehr eine Odyssee durch ganz Deutschland und die Niederlande mit verschiedenen Besitzern. Auf einer Messe in Essen entdeckte ihn der Appelhülsener Isselhorst („Ich bin ein Jäger und Sammler alter Fahrzeuge.“) und kaufte es einem Holländer ab. „Der Wagen war eine Grotte“, beschrieb er den Zustand. Isselhorst hat ihn mit viel Liebe zum Detail restauriert und am 1. Mai 2015 frisch lackiert erstmals am Brauhaus Stephanus präsentiert. Feuerwehr-Urgestein Hubert Wolter erkannte ihn mit Tränen in den Augen: „Das ist doch mein Wagen“.

Böhm blickte auf die große Stunde des kleinen Flitzers zurück, die am späten Abend des 28. April 1972 kam. Da wüteten zwei Großbrände auf Bauernhöfen. Der alte DKW stand als einziger noch im Gerätehaus, als die Wehr ein weiterer Notruf erreichte: Bei Ernsting in der Letter Straße brennt es. „Drei Kameraden fuhren mit dem DKW dorthin“, hat Böhm im Feuerwehrarchiv recherchiert. Lilly Ernsting erinnerte sich, dass ihr Mann Kurt an dem Abend mit seiner Mutter noch geschimpft hatte, weil die trotz des Brandes in den Aufzug des Modehauses gestiegen sei. Dank des DKW und seiner Besatzung konnte – später mit Unterstützung anderer Fahrzeuge – schlimmerer Schaden verhütet werden und die Erfolgsgeschichte von Ernsting’s family erst so richtig beginnen. „Hier schließt sich also ein Kreis“, gratulierte Böhm Lilly Ernsting zum 50-jährigen Bestehen. Die war gerührt. Und der DKW? Der schlug die Augen auf – und ließ sich ansonsten nichts anmerken.

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Feuerwehr-Oldtimer als Überraschung für ehemalige Wehrführer aus dem Kreis Coesfeld

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